14.06.2017
Jeanine Troehler
Marketing/Kommunikation
Kommentare0
Nachhaltigkeit

Sicher arbeiten – eine tägliche Herausforderung (Teil 2/2)

Der Arbeitsalltag von Zimmerleuten kann gefährlich sein. Was können wir als professioneller und verantwortungsvoller Arbeitgeber für mehr Sicherheit tun?

Im ersten Beitrag [Link ergänzen] habe ich aufgezeigt, welchen Gefahren unsere Zimmerleute im Werk oder auf der Baustelle begegnen können. In diesem Beitrag geht es um unseren Umgang damit, und wie die Geschichte mit unserem verunfallten Mitarbeitenden ausgegangen ist.

Was tun wir für die Arbeitssicherheit?

Wir analysieren unsere Prozesse und Arbeitsweisen. Bei einer möglichen Gefährdung leiten wir nach «STOP» entsprechende Massnahmen ein:

  • S für systemorientierte Massnahmen
    Wir wählen das Arbeitssystem so, dass die Gefahr gar nicht erst besteht.
  • T für technische Massnahmen
    Wir installieren technische Lösungen wie Geländer, Gerüste, Lichtschranken, Auffangnetze etc. Technische Massnahmen verhindern Gefährdungssituationen für die Mitarbeiter.
  • O für organisatorische Massnahmen
    Wir leiten die Mitarbeitenden im Voraus genau an, wie was ausgeführt werden muss. Sie müssen zum Beispiel den Montageablauf kennen und verstehen.
  • P für persönliche Schutzausrüstung (PSA)
    Dazu gehört zum Beispiel ein Helm, weil weder durch eine systemorientierte, technische, noch eine organisatorische Massname eine Gefährdung zu 100% ausgeschlossen werden kann. Weitere PSA sind: Sicherheitsschuhe, Schutzbrille, Handschuhe etc.

Mit unserer Vorgehensweise schaffen wir die Voraussetzungen für sichere Arbeitsplätze. Damit bei uns möglichst keine Unfälle passieren, müssen wir uns konsequent und ständig hinterfragen, beobachten und verbessern:

1. Seriöse Einführungen, regelmässige Schulungen

Neben einer vollständigen, seriösen Einführung in die Arbeit und den Arbeitsplatz sind regelmässige Schulungen für jeden Mitarbeitenden ein wichtiges Instrument. Immer wieder organisiert unser Sicherheitsbeauftragter kurze Inputrunden, um wichtige Vorschriften und Grundsätze zu wiederholen. Die Suva stellt uns diesbezüglich gutes Material zur Verfügung.

Mitarbeiter hängt für Schulungszwecke in der Werkhalle an einem Klettergurt, ca. 30 cm über dem Boden

Unser Kundendienstmitarbeiter Beat Steffen bei der Schulung zum «sicheren Abstürzen».

2. Lernende besonders sensibilisieren

Unsere Lernenden Zimmerleute sind besonders gefährdet. Bei der Ausbildung achten wir speziell auf ihre Bedürfnisse. Dazu verwenden wir Lernmaterial der Berufsschulen und der Suva. In den überbetrieblichen Kursen lernen die Auszubildenden ebenfalls viel über die Arbeitssicherheit. Unsere Mitarbeitenden stehen unseren Lernenden jederzeit für Fragen zur Verfügung.

3. Sicherheitsaudits im Werk

Vier Mal pro Jahr führt unser Sicherheitsbeauftragter Beat Achermann ein Sicherheitsaudit im Werk durch, um unsere technischen Anlagen, Maschinen und Arbeitsweisen zu prüfen und notwendige Verbesserungen vorzunehmen. Dazu gehört das Tüfteln an Lösungen gemeinsam mit anderen Mitarbeitenden.

Materialdepot auf einer Bühne mit klappbarem Geländer.

Die neue Vorrichtung am Materialdepot: Bei geschlossener Schranke können die Zimmerleute zuerst das Material an den Bühnenrand bringen. Sobald sie fertig sind, können sie das Geländer hochklappen und damit die Schranke hinten schliessen.

4. Besuche auf den Baustellen

Unser Sicherheitsbeauftragter Beat Achermann

Unser Sicherheitsbeauftragter Beat Achermann verfügt über 30 Jahre Berufserfahrung.

Unser Sicherheitsbeauftragter besucht fortlaufend unangemeldet die Baustellen. Dabei prüft er, ob alles nach den Suva-Sicherheitsrichtlinien abläuft.

5. Schon bei der Planung die Sicherheit im Fokus

Unser Sicherheitsbeauftragter ist massgeblich in die Planung unserer Bauprojekte integriert. Er sorgt dafür, dass unsere Zimmerleute später möglichst sicher die Gebäude montieren können. Manchmal müssen deshalb Elemente anders vorgefertigt werden. Zum Beispiel montieren wir Geländer bei Wandelementen mit grossen Fensterfronten bereits im Werk. Oder wir montieren die Anschlagpunkte für PSA gegen Absturz an einem Dachelement bereits im Werk, um die Montage bei Steildächern sicherer zu machen.

Gerüstkonzept eines Einfamilienhauses

Bei diesem Einfamilienhaus hat Beat Achermann ein individuelles Gerüstkonzept erstellt, damit bei der Montage alles sicher von statten geht.

Legende zum Gerüstkonzept

Das Gerüstkonzept beinhaltet verschiedene Gerüstarten.

6. Nach Unfällen: Besprechungen

Falls doch einmal ein Unfall geschieht, eruieren wir die Ursache und suchen nach Lösungen, wie wir in Zukunft solche Unfälle verhindern können.

Mitarbeiter auf Hebebühne fixiert Wandelemente auf den Pritschen.

Die Pritschen beladen wir jetzt mit Hebebühnen. Das macht die Arbeit viel sicherer, wie hier Matthias Bernet demonstriert: Er fixiert Wandelemente auf der Pritsche.

7. Zusammenarbeit mit der Suva und der Holzbaubranche

Die Holzbaubranche hat bezüglich der Arbeitssicherheit in den letzten Jahren grosse Fortschritte erzielt. Vor vier Jahren hat die Branche eine sog. Branchenlösung samt speziellem Leitfaden erstellt. Die Suva hat die Arbeitsgruppe dabei unterstützt. Jedem Holzbauer stehen bei der Suva spezielle Ansprechpersonen zur Verfügung.

8. Verunfallter Mitarbeiter wieder eingegliedert

Unser Mitarbeiter, der beim Beladen von Wechselpritschen abstürzte, (siehe erster Blogbeitrag [Link ergänzen]) versuchte sich zuerst bei uns an einem anderen Arbeitsplatz. Leider litt er immer noch an Auswirkungen des Unfalls und er darf seither nur leichte Gegenstände anheben. Ein Job im Büro kam für ihn nie in Frage. Sein damaliger Vorgesetzter hat mit ihm dann eine gute Lösung gefunden: Seither arbeitet er als Schulhauswart in Schötz. Auf unserem Areal treffen wir ihn regelmässig an, wenn er seine Schafe und Ponys besucht, die neben unserem Bürogebäude weiden.

Blogbeitrag derselben Serie

Link-Icon Sicher arbeiten - eine tägliche Herausforderung Teil 1

 

 

24.05.2017
Jeanine Troehler
Marketing/Kommunikation
Kommentare0
Gebäudetechnik

Das eigene Haus als Energiekraftwerk

Gebäudetechnikexperte Johan Verbiest zeigt anhand eines typisch schweizerischen Einfamilienhausquartiers, wie der aktuelle Stand der Haustechnik ist. Er ist jedoch überzeugt: Das Verhalten des Nutzers entscheidet am Ende über die Energieeffizienz eines Gebäudes.

Experten aus der Elektromobilität, Stromerzeugung, Speicher- und Gebäudetechnik geben Einblick in den aktuellen Stand der Technik. In mehreren Beiträgen äussern sich die Referenten zu ihrer Sicht der Dinge. Hintergrund war unser Fachevent «Strom – vom Dach in den Tank» vom 6. April 2017 in Schötz.

Johan Verbiest, Renggli AG, Leiter Gebäudetechnik und Bauherr

Johan Verbiest, Renggli AG, Leiter Gebäudetechnik und Bauherr

Johan Verbiest zeigte anhand eines typisch schweizerischen Einfamilienhausquartiers, wie der aktuelle Stand der Haustechnik ist. Eine Grundvoraussetzung für Nachhaltigkeit ist Qualität. Bei den einzelnen Komponenten und vor allem bei ihrer integralen Vernetzung. Die Heizung, Lüftung, das Brauchwarmwasser und die Photovoltaikanlage sind auf einander abzustimmen. Auch die Gebäudehülle, Energieerzeugung, die Thermostate, die Gebäudeautomation, die Alarmanlage und Beschattung sollten miteinander kommunizieren und nicht kontraproduktiv gesteuert werden. Seine Tipps für Quick-Wins sind:

  • Die Luft-Wasser-Wärmepumpe setzt er dann ein, wann sie am effizientesten ist –nämlich bei hohen Aussentemperaturen, wie beispielsweise am Mittag.
  • Die Lüftung läuft vor allem dann, wenn die ganze Familie zu Hause ist, d.h. vor allem Nachts – und gedrosselt, wenn nicht alle zuhause sind.
  • Man benötigt nicht überall Zu- und Abluft. Besser ist ein durchdachtes Lüftungskonzept mit Überströmung unverbrauchter Luft.

Speziell auf die integrale Planung setzt Johan Verbiest den Fokus. Anhand praxisorientierter Beispiele hat das intelligente Zusammenspiel der Haustechnik erklärt:

  • Beschattung und Heizung: Die Storensteuerung kennt die Innentemperatur und bewertet diese höher als den «prophylaktischen» Blendschutz.
  • Lüftung und Alarmanlage: Die Lüftung schaltet ab, wenn Fenster geöffnet sind, bzw. drosselt, wenn niemand zu Hause ist. Die Alarmanlage steuert deshalb die Lüftung.
  • Wärmepumpe, Heizverteilung und PV nutzen gezielte Zeitfenster für die Heizung und Warmwasseraufbereitung.

Auf einen eminent wichtigen Punkt weist Johan Verbiest am Ende seines Referates hin: Es kann alles noch so gut zusammenspielen. Entscheidend für die Energieeffizienz eines Gebäudes bleiben die Nutzer. Diese können zum Beispiel mit Hilfe eines Monitoring-Systems informiert und geleitet werden. 

Was sollen die Zuhörer mitnehmen?

Johan Verbiest hat in einem Video festgehalten, welche Botschaft er den Zuhörern mitgeben möchte:

17.05.2017
Jeanine Troehler
Marketing/Kommunikation
Kommentare0
Elektromobilität

Die Verbindung vom Elektrofahrzeug und der Immobilie

Marco Piffaretti forscht seit über 30 Jahren in der Praxis an den Chancen und Hindernissen von Elektrofahrzeugen. Sein Ziel ist es, den Stromkreislauf von Haus und Auto zusammen zu schliessen.

Experten aus der Elektromobilität, Stromerzeugung, Speicher- und Gebäudetechnik geben Einblick in den aktuellen Stand der Technik. In mehreren Beiträgen äussern sich die Referenten zu ihrer Sicht der Dinge. Hintergrund war unser Fachevent «Strom – vom Dach in den Tank» vom 6. April 2017 in Schötz.

Marco Piffaretti, Protoscar SA, Managing Director Protoscar

Marco Piffaretti, Protoscar SA, Managing Director Protoscar

Marco Piffaretti möchte Synergien zwischen PV-Anlagen von Immobilien, Elektrofahrzeugen und den Stromproduzenten durch eine direkte Verbindung erzielen. Sein System beinhaltet vier Komponenten:

  1. Die Photovoltaikanlage dient primär dazu, das Elektroauto zu laden, da Energie für Mobilität bisher den höchsten Kostenfaktor ausmacht.
  2. Überschüssiger Strom wird in Pufferspeichern gespeichert und für den Betrieb des Hauses verwendet.
  3. Dazu werden Batterien von Elektroautos im Second-Life eingesetzt.
  4. Falls immer noch überschüssige Energie produziert wird, wird diese optimiert durch eine Steuerung und ins Netz eingespeist. Dabei werden die Bedürfnisse der Energieversorgungsunternehmen bezüglich des Lastmanagements berücksichtigt.

 

Dadurch, dass die Speicheranlage, das Fahrzeug und das Energieversorungsunternehmen miteinander «kommunizieren» können, integriert SUN2WHEEL als erstes System Produktion und Konsum – und das auf Netzebene. In Rovio hat sich Marco Piffaretti letzten Herbst die erste SUN2WHEEL-Garage gebaut. Sie enthält einen Smart Controller zur intelligenten Verteilung des Stroms, eine Second-Life-Batterie eines Elektroautos zur Speicherung der Energie und eine Ladestation für Elektrofahrzeuge. Die Garagenbesitzer profitieren von grüner Energie, günstigerem Strom und damit einer schnelleren Amortisation und sind unabhängiger bei Stromausfällen. Aber auch die Energieversorgungsunternehmen profitieren: Sie können die Netzspitzen brechen, die Netzlast besser verteilen und sich Netzinvestitionen sparen.

Link-Icon Ratgeber für die Installation von Ladesystemen für Elektrofahrzeuge (Quelle: Protoscar, in Englisch)

Was sollen die Zuhörer mitnehmen?

 

Marco Piffaretti hat in einem Video festgehalten, welche Botschaft er den Zuhörern mitgeben möchte:

Er ist überzeugt, dass das Publikum heute sehr gut informiert ist – über die Möglichkeiten der Photovoltaik, Holzhäuser, die Elektromobilität, etc. Was jetzt noch fehlt, ist die Vernetzung von alle dem. Denn der am Mittag von der Photovoltaikanlage produzierte Strom kann zum Beispiel gespeichert und über Nacht an die Elektroautos weitergegeben werden. Diese Vernetzung und das Zusammenspiel der intelligenten Komponenten müssen wir verstehen und vor allem ein- und umsetzen.