09.12.2016
Markus Gabriel
Texter
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World Wide Wood: Architektur

Ein Nachruf

Für einmal wird in dieser sonst so gut gelaunten Rubrik eine hölzerne Träne vergossen. Sie gilt der Manifesta-Plattform «Pavillon of Reflections», die diesen Sommer im Zürcher Seebecken für Kreativität in Holz geworben hat. Alle mochten sie, aber das war so nicht geplant.

Pavillon of Reflections

Bis zu 400 Menschen gleichzeitig ertrug die filigrane Konstruktion schwimmenderweise und erwies sich mit Bar, Tribüne, Schwimmbad, Sonnendeck und einem riesigen Flatscreen als Publikumsmagnet. Dabei bestand sie aus minderwertigem Borkenkäferholz, wurde von handwerklich unbedarften Architekturstudenten zusammengeschraubt und erinnerte an schnell gezimmerte Jodelfesttribünen. Doch genau dieser Charme des Provisorischen machte den Reiz aus. Die Liebe zum ungehobelten Detail wurde fassbar, die Idee erhielt Gewicht: 150 Tonnen, um genau zu sein. Im Rahmen des Zürcher Filmfestivals schnappte sich der Pavillon nochmals eine tragende Nebenrolle, aber alle Pläne für eine neue Heimat an irgendeinem Ufer mussten im See der Vorschriften und Einsprachen versenkt werden. Die Gunst, die einst dem Eiffelturm widerfuhr, war der schwimmenden Sehenswürdigkeit nicht vergönnt. Inzwischen dürfte die Konstruktion vollständig in ihre Einzelteile zerlegt sein, die vielleicht als Brennholz im Winter noch etwas nachglühen. Schade drum.

Pavillon of Reflections

Bauherrschaft 

Manifesta 11

Projektleitung

Adi Heusser und Boris Gusic,
Studio Tom Emerson der ETH Zürich

Architektur

30 Architekturstudentinnen und -studenten der ETH Zürich

Zuschnitt

Sägerei Konrad Keller AG, Unterstammheim ZH

Holzbauarbeiten  u.a. Handholzwerk Hannes Jedele, Winterthur
Ingenieursleistung  Holzbaubüro Reusser GmbH, Holz Winterthur
Abmessungen  23 mal 32 Meter
Grundfläche 600 m2
Holz 157 m3 Rundholz, unbehandelte Fichte

Über den Autor

Porträtfoto des Texters Markus Gabriel 

     

Markus Gabriel ist Inhaber und Creative Director bei der Agentur Angelink. Er schreibt seit Jahren Texte für das Renggli-Kundenmagazin «Faktor Raum».

21.11.2016
Dino Augustin
Projektleiter Engineering
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Brandschutz

Wichtige Qualitätssicherung im Brandschutz. Aber wie?

In den neuen Brandschutzvorschriften nimmt die Qualitätssicherung einen hohen Stellenwert ein. Wie können Sie als Bauherr für ein Mehrfamilienhaus oder einen Objektbau damit umgehen? Was können, was müssen Sie unternehmen?

Bedienelement für Rauch- und Wärmeabzugsanlage

Bedienelemente für die Rauch- und Wärmeabzugsanlage in einem typischen Mehrfamilienhaus/Büro

Im Blogbeitrag «Von Feuer und Holz - Die neue Gleichberechtigung im Brandschutz» habe ich geschrieben, wie wichtig die Qualitätssicherung mit der Überarbeitung der Brandschutzvorschriften geworden ist. Was bedeutet das für Sie als Bauherr? Welche Aufgaben kommen auf Sie zu?

Brandschutznorm: Grundlage für Ihre Pflichten als Bauherr

Ihr Projekt muss gemäss Brandschutznorm nicht nur richtig geplant, sondern auch richtig gebaut werden. Daran angebunden ist die Nutzung des Gebäudes. Ein als Hotel geplantes Gebäude dürfen Sie beispielsweise nicht ohne Anpassungen der Brandschutzmassnahmen - neben den betrieblich notwendigen Anpassungen - als Pflegeheim nutzen.

Verantwortung als Bauherr beim Brandschutz: So können Sie vorgehen

1. Beauftragen Sie einen «QS Verantwortlichen Brandschutz»

Als Bauherr müssen Sie für Ihr Projekt einen sogenannten «QS Verantwortlichen Brandschutz» einsetzen. Diese Person übernimmt alle notwendigen Aufgaben, damit Sie am Ende ein den Brandschutzvorschriften entsprechendes Gebäude beziehen können.

Abhängig von der Grösse und Nutzung Ihres Gebäudes können diese Aufgaben durch den Architekten oder Bauleiter wahrgenommen werden. Steigt die Komplexität, muss diese Person eine Zusatzausbildung als Brandschutzfachmann VKF (Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen) oder gar Brandschutzexperte VKF vorweisen.

Der QS Verantwortliche Brandschutz ist in der Projektphase dafür verantwortlich, dass Ihr Projekt bei der Eingabe zur Baubewilligung bereits den Brandschutzvorschriften entspricht. Diesen Nachweis erbringt er mit einem Brandschutzkonzept. Darin definiert er die Anforderungen und beschreibt die vorgesehenen Massnahmen. Das Konzept dient der Behörde als Grundlage für die Beurteilung.

2. Besprechen Sie das Brandschutzkonzept mit dem Fachmann

Es ist wichtig, dass Sie die Details und Konsequenzen aus dem Brandschutzkonzept kennen und verstehen. Fragen Sie, wenn Formulierungen auf «Fachchinesisch» für Sie nicht klar sind.

Als wichtig empfinde ich auch, dass Sie sich Gedanken machen, ob Sie einen weitergehenden Schutz als denjenigen gemäss Vorschrift wünschen. Möchten Sie Ihr Mehrfamilienhaus mit Rauchmeldern, welche an eine Brandmeldeanlage angeschlossen sind, ausrüsten, obwohl dies nicht zwingend vorgeschrieben ist? Haben Sie ein Unternehmensarchiv, das besonders schützenswert ist? Möchten Sie die Büros oder die Werkstatt mit einer Sprinkleranlage schützen, um im Falle eines Brandes den Betrieb schneller wieder aufnehmen zu können? Ihr QS Verantwortlicher Brandschutz ist Ihre Anlaufstelle für all solche Fragen.

3. Lassen Sie Ihr Gebäude vom QS Verantwortlichen Brandschutz kontrollieren und testen

Während allen Phasen ist der QS Verantwortliche Brandschutz für die Qualitätssicherung zuständig. Er führt die Kontrollen durch und organisiert die integralen Tests der Brandschutzeinrichtungen. Bei diesen werden Brandmeldeanlagen mit Rauchmeldern, Alarmierung und im Brandfall schliessenden Türen etc. auf ihre Funktionstüchtigkeit geprüft. Im Falle eines Brandes müssen diese Systeme einwandfrei funktionieren, auch wenn sie hoffentlich nie gebraucht werden.

4. Beauftragen Sie den Fachmann mit der Übereinstimmungserklärung

Nach Abschluss aller Arbeiten und vor dem Bezug Ihres Gebäudes wird die Brandschutzbehörde eine Übereinstimmungserklärung von Ihnen als Bauherr verlangen. In dieser bestätigen Sie, dass das Gebäude gemäss den Brandschutzvorschriften und allfälligen Auflagen in der Baubewilligung erstellt wurde. Es ist richtig: Als Laie können Sie dies gar nicht beurteilen. Wie sollen Sie also die Verantwortung dafür übernehmen? Der QS Verantwortliche Brandschutz stellt Ihnen eine entsprechende Übereinstimmungserklärung zu, in welcher die korrekte Ausführung aller Arbeiten, die den Brandschutz betreffen, bestätigt wird. Auf diese Übereinstimmungserklärung können Sie sich beziehen und haben damit Ihre Pflicht wahrgenommen.

5. Im Betrieb: Halten Sie die Augen offen

Auch wenn das Gebäude erstellt und bezogen ist, müssen die Brandschutzvorschriften weiterhin beachtet werden. So ist es zum Beispiel in Treppenhäusern von Mehrfamilienhäusern nicht gestattet, Gegenstände zu deponieren. Oft sind das Schuhregale oder Kinderwagen. Nicht nur weil diese brennen könnten, sondern auch, weil sie als Hindernisse die Flucht- und Rettungswegen versperren können.

28.10.2016
Josef Schumacher
Gastautor
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Konstruktion

Einbruchschutz beim Fenster: Auf das sollten Sie achten

Die Zeitumstellung im Herbst führt vermehrt zu ungebetenen Besuchern. Zeit, dass Sie sich Gedanken machen über die Sicherheit Ihrer (geplanten) Fenster. Denn es gibt kein schlechteres Gefühl, als nach Hause zu kommen und festzustellen: Da war jemand hier, der nicht hätte hier sein dürfen!

Fast 80 % aller Einbrecher gelangen über Fenster und Balkontüren ins Haus. Dabei werden die Fensterflügel mit teilweise erstaunlich einfachem Werkzeug und viel Muskelkraft aufgehebelt. Einbrecher, die so vorgehen, sind im Gegensatz zu denjenigen, die Scheiben einschlagen, sogar leise und verletzten sich sogar noch weniger.

Das «30-Sekunden-Fenster»

Besonders alte und mangelhaft gesicherte Fenster schützen wenig vor Einbruch. «30-Sekunden-Fenster» sagen die Fachleute dazu: Diese sind mit Schraubenzieher und Zange in weniger als 30 Sekunden geknackt. Meist verfügen diese Fenster über nur einen bis zwei Verschlusspunkte, ein abschliessbarer Fenstergriff fehlt. Einbrecher kennen sich aus: Sie suchen explizit nach diesen Schwachstellen.

Einbruchhemmende Fenster

Am Beschlag, am Griff und am Glas setzen einbruchhemmende Fenster an. Sie besitzen diese drei Sicherheitsmerkmale:

1. Mehrere Sicherheitsschliessteile und Pilzkopfzapfen aus Stahl, die verhindern, dass die Fensterflügel vom Einbrecher aufgehebelt werden.

Geöffnetes Fenster mit sichtbarem Rahmen

Fenster mit mehreren Sicherheitsschliessteilen aus Stahl
Foto: 4B Fenster AG

Fensterbeschlag mit Pilzkopfzapfen

Pilzkopfzapfen, der ins Schliessteil einfährt und aufgrund des Pilzkopfs das Aushebeln des Fensterflügels verhindert
Foto: 4B Fenster AG

2. Einen abschliessbaren Fenstergriff, der viel Kraft standhält und von aussen nicht geöffnet werden kann.

Abschliessbarer Fenstergriff

Der abschliessbare Fenstergriff verhindert das Öffnen von aussen
Foto: 4B Fenster AG

3. Ein Verbundsicherheitsglas (VSG), das durch die mit reissfester Folie verbundenen Glasscheiben nicht durchbrochen werden kann.

Querschnitt/Rand eines Verbundsicherheitsglases

Beim Verbundsicherheitsglas werden zwei Glasscheiben mit einer reissfesten Folie verklebt. Somit ist das Durchschlagen der Scheibe unmöglich.
Foto: Glas Trösch

Moderne Fenster mit einer soliden Mehrpunkteverriegelung schrecken Einbrecher ab: Bei solchen benötigen sie zu viel Zeit für den Einbruch und verursachen auffällig viel Lärm. Der Einbrecher wird sich bei einem anderen Haus nach einem schwachen Fenster umsehen.

Höhere Widerstandsklasse für gefährdete Fenster

Besonders an neuralgischen Punkten, zum Beispiel im Parterre oder an nicht gut einsehbaren Stellen, rate ich Ihnen, auf mehr als den Standard zu setzen. Je nach Anforderung und Einbauort können Sie zwischen drei Widerstandsklassen (Resistance Class) RC1, RC2 N und RC2 wählen. Sie unterscheiden sich durch die Anzahl Schliesspunkte, den Griff und das Glas.

Vier Fenster mit eingezeichneten Schliesspunkten je nach Widerstandsklasse

Übersicht der Widerstandsklassen RC1 bis RC2 aufbauend auf einer Grundsicherheit mit vier Schliesspunkten ohne abschliessbaren Fenstergriff (links) bis zu RC2 (rechts).
Bild: 4B Fenster AG

Kellerfenster

Kellerfenster sind besonders gefährdete Fenster.
Foto: 4B Fenster AG

Wenn Sie sich also wirksam gegen Einbruch schützen möchten, planen Sie bei einem Neubau von Anfang an einbruchhemmende Fenster ein. Bei bestehenden Gebäuden können Sie alte Fenster durch einbruchhemmende Fenster ersetzen oder sie nachrüsten.

Schwachstellen am Eigenheim

Bekannte Schwachstellen am Eigenheim:

  • ungenügend gesicherte Fenster und Türen
  • ungesicherte Kellerfenster und Lichtschächte
  • leicht erreichbare Balkone, Terrassen und Dächer (keine Steighilfen wie Leitern herumstehen lassen)
  • zu wenig gesicherte Nebenräume wie Estrich, Keller und Garage

Wo am Haus welche Sicherheitsstufe empfehlenswert ist, weiss der Fensterbauer oder die Generalunternehmung.

Sichere Fenster und Türen. Und dann kommt der Faktor Mensch

«Gelegenheit macht Diebe»: Vergessen Sie trotz sicherer Fenster und Türen nicht den Faktor Mensch. (Ver-) schliessen Sie Fenster und Türen, wenn Sie nicht zu Hause sind – konsequent und alle noch so kleinen Fenster. Einzige Ausnahme: Das Katzentürchen.

Über den Autor

Josef Schumacher 

     

Josef Schumacher ist Marketing Manager bei 4B, unserem Hauptlieferanten für Fenster.