23.08.2016
Verena Egli

Projektleiterin Grossprojekte
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Brandschutz

Ein Liftschacht aus Holz

Wer denkt, auf den Baustellen gehe es immer nur rauh zu und her, irrt: Ich erlebe immer wieder freudige und staunende Reaktionen von Kunden und Partnern. Momentan leite ich eine Baustelle, die es in sich hat – die neuen Brandschutzvorschriften, gültig seit anfangs 2015, lassen grüssen.

Jahrelang durften wir es nicht oder nur mit einer Ausnahmebewilligung machen. Technisch war es schon lange möglich. Seit dem 1. Januar 2015 ist jedoch es offiziell erlaubt: Dank der neuen Brandschutzvorschriften dürfen wir den Liftschacht aus Holz realisieren. Und das führt bei einigen Besuchern auf einer meiner aktuellen Baustellen zu grossem Staunen.

Unverkleideter Liftschacht aus Holz in der Bauphase, seitlich fotografiert.

Das bestaunte Objekt: Ein Liftschacht aus Holz.

Neue Normen ermöglichen Liftschächte aus Holz

Mit den neuen Brandschutzvorschriften dürfen Liftschächte aus brennbarem Material erstellt werden. Die Voraussetzung dafür ist, dass sie innen und im vorliegenden Fall auch aussen mit nicht brennbarem Material verkleidet sind. Es muss eine sogenannte «Brandschutzplatte 30-RF1» sein. 30 steht für die Anzahl Minuten Feuerwiderstand. RF (réaction au feu) ist die Klassifizierung des Brandverhaltens von Baustoffen. Es gibt vier Kategorien – 1 ist die höchste davon: Diese Materialien brennen nicht und entsprechen den Brandkennziffern 6.3 bzw. 6q.3. Wir werden dafür Fermacellplatten mit Klammern und Schrauben montieren und so den Liftschacht aus Holz innen und aussen verkleiden. Fugen werden wir mit einem brandschutztechnisch wirksamen Kitt schliessen.

Welche Vorteile bietet ein Liftschacht aus Holz?

  • Wir haben die drei Elemente für den Liftschacht in zwei Stunden montiert. Betonieren hätte mindestens nur für den Liftschacht zwei Wochen in Anspruch genommen – ohne Austrocknungszeit.
  • Die Elemente sind bereits in sich ausgesteift und lärmschutztechnisch mit einem Zwischenraum vom Rest des Gebäudes abgekoppelt. Später werden wir den Liftschacht treppenhausseitig schalltechnisch isolieren und mit Gipskartonplatten beplanken.
  • Die Montage ist einfacher, weil wir die Anschlüsse und Verankerungen mit Holz verbinden. Und der Lift steht von selbst - er ist lediglich oben mit der Dachkonstruktion verbunden.
  • Mit Holz können wir viel genauer arbeiten: Wir haben eine Toleranz im Millimeterbereich. Damit ist es z.B. einfacher, die Fenster, Türen und Treppenausstritte genau zu positionieren.

Diese Vorteile zusammen reduzieren gesamthaft die Kosten für den Liftschacht.

Unverkleideter Liftschacht aus Holz in der Bauphase, von vorne fotografiert.

Gut sichtbar ist hier der Anschluss der Boden-/Deckenplatten im Holzsystembau

Links: Mit Gipsfaserplatten verkleideter Liftschacht aus Holz von vorne mit Sicherheits-Absturzsicherung gem. SUVA-Vorschrift. Rechts: Das Treppenhaus in Holzsystembau mit grauen Gipsfaserplatten beplankt und dem Treppenlauf aus vorfabrizierten Betonelementen.

Den Liftschacht aus Holz haben wir mit nicht brennbaren Gipsfaserplatten beplankt. Damit erfüllt er die Brandschutzanforderung an das Bauteil RF1.

Unsere Holzbauingenieure finden diesen ersten Liftschacht in Holz für ein Renggli-Gebäude sehr spannend. Nicht alle Tage können sie Details komplett neu entwickeln. Und für uns alle ist es ein grosser Vertrauensbeweis unseres Kunden: Er vertraut uns, dass wir unsere Arbeit präzise und zu seiner vollsten Zufriedenheit erledigen.

In einem weiteren Beitrag werfe ich einen Blick auf das Treppenhaus in Holz. Das darf jetzt auch mit bis zu 30 Meter Höhe in Holz gebaut werden.

04.08.2016
Markus Gabriel
Texter
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World Wide Wood: Architektur

Wildwuchs im Büro

Wie ein unkontrolliert wachsender Organismus nimmt eine avantgardistische Skulptur aus Holz raumgreifend Besitz von einem Firmengebäude in Klaus in Vorarlberg. Sie ist weit mehr als nur Dekoration.

Beleuchtete Holzskulptur über zwei Etagen von aussen bei Nacht fotografiert.

Foto: studio22.at/marcel hagen

Der Bauherr wünschte sich mit dem Firmengebäude ein Umfeld, in dem Mitarbeiter Potenziale frei entfalten und innovative Ideen entwickeln können. Die räumliche Gestaltung des Arbeitsumfelds soll einen Ausgleich zwischen dem Arbeiten in geordneten Räumen und dem Denken in freier Umgebung ermöglichen. Wen wunderts, dass plötzlich eine naturgewaltige Skulptur den gestalterischen Freiraum füllt und zwei Stockwerke wunderschön überwuchert.

Holzskulptur über zwei Etagen mit Blick nach oben.

Foto: Dietrich | Untertrifaller Architekten

Auf einmal verlieren Begriffe wie Wand, Decke, Boden, Treppe, Sitzecke in einer einzigen schwungvollen Bewegung ihre Schärfe. Auch die Omicron-Mitarbeiter sollen zum Neudenken angeregt werden, wenn sie das kreative Gebilde begehen, darauf sitzen oder nur die Etage wechseln. Das siebzig Tonnen schwere Objekt aus Brettsperrholzplatten ist eine holzbauerische Meisterleistung, besteht es doch aus rund tausend Einzelteilen mit unterschiedlichsten Kantenwölbungen. Ein technisch höchst anspruchsvoller Wildwuchs.

Grafik der Holzskulptur mit sichtbaren Scheiben

Grafik: eichingeroffices 
Bauherrschaft 

Link-Icon OMICRON electronics GmbH, AT-Klaus

Planung / Gesamtkoordination Gebäude

Link-Icon Dietrich | Untertrifaller Architekten ZT GmbH, AT-Bregenz

Architektur Skulptur Link-Icon Eichinger Offices, AT-Wien
Holzbau Link-Icon Gerhard Berchtold Zimmerei GmbH, AT-Schwarzenberg
Holzbau Link-Icon Stora Enso Wood Products GmbH, AT-Brand

Über den Autor

Porträtfoto des Texters Markus Gabriel 

     

Markus Gabriel ist Inhaber und Creative Director bei der Agentur Angelink. Er schreibt seit Jahren Texte für das Renggli-Kundenmagazin «Faktor Raum».

05.07.2016
Jeanine Troehler
Marketing/Kommunikation
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Gebäudemodernisierung

Bauen im Bestand 2/3

Aufstockungen sind eine Paradedisziplin für den Holzbau. Durch die Vorfertigung im Werk ist die Bauzeit vor Ort kurz. Das erlaubt Bauen im Bestand, was besonders bei vermieteten Objekten eine wichtige Voraussetzung ist. Wir zeigen Ihnen, wie wir bei einer städtischen Aufstockung vorgegangen sind und geben Ihnen als Bauherren Tipps.

Im Gebäude, das wir mitten im Städtchen Sursee aufstockten, haben die Bauherren im ersten Obergeschoss ein Filmstudio. Die weiteren Geschosse haben sie vermietet: Im Erdgeschoss hat Schär Sport sein Lager und in den zwei oberen Stockwerken mietet die IT-Firma IOZ AG Arbeits- und Sitzungsräume.

Problemlos lagern und verkaufen: Schär Sport

Schär Sport hat sein Lager im Erdgeschoss eingerichtet. Da stören die Bauarbeiten mehrere Geschosse darüber nicht. Einziger Nachteil: Der Lift hat während des Umbaus nicht funktioniert. Das Team wusste sich jedoch zu helfen. Es ging halt etwas sportlicher zu und her. Laut der Verkäuferin Tanja Arnold hat der Renggli-Projektleiter sie wöchentlich über anstehende Arbeiten vorinformiert. «So wussten wir, wann lärmende Arbeiten angesagt sind. Zu wissen, was wann passiert, war für uns sehr angenehm. Und beim Verkaufen hat uns der Umbau nicht gestört.» Sogar für die temporär nicht nutzbaren Parkplätze hat der Projektleiter ihnen eine Alternative anbieten können: Renggli hat die eigenen Tiefgaragenplätze auf der Nachbarsparzelle zur Verfügung gestellt und Kunden konnten auf die öffentlichen Parkplätze ausweichen.

Temporärlösung erweist sich als sehr praktisch: die IT-Firma IOZ

Bürosituation bei der IOZ mit 9 Mitarbeitern auf ca. 50 m2

Die IOZ-Mitarbeiter rückten näher zusammen. So hatten die 20 Mitarbeiter, die temporär aus ihrem Nachbarbüro ausziehen mussten, ebenfalls einen Büroplatz.

Die IOZ AG hatte ihre Büroräume genau auf den zwei Stockwerken unterhalb des aufzustockenden Geschosses. Die simulierten Arbeiten im Vorfeld haben gezeigt, dass während der Aufstockung nicht an konzentriertes Arbeiten der IT-Projektleiter zu denken war.

Die IOZ mietet seit Jahren Büroräume im Nebengebäude, in dem auch wir eingemietet sind. So konnten wir eine pragmatische Lösung vorschlagen und anbieten: Die IOZ hat den Pausenraum und ein gemeinsam genutztes Sitzungszimmer in Büroräume umfunktioniert. Zudem ist vor kurzem ein Architekturbüro ausgezogen und hat weiteren Büroraum freigegeben. Einen Teil unseres Bemusterungszentrums nutzt die IOZ zurzeit als Sitzungszimmer. Erich Lötscher, Geschäftsleiter der IT-Firma, ist sehr zufrieden mit dieser Übergangslösung: «Wir haben die Produktivität nur beim Umzug der 20 Leute reduziert.» Ein Nachteil seien zwar die vorübergehend engen Platzverhältnisse. Doch sie sähen mittlerweile den grossen Vorteil: «Es sind wieder alle zusammen – von Projektleitern über Entwicklern zu Systemtechnikern. Wir haben diese Gruppen ursprünglich extra voneinander getrennt. Erstere telefonieren häufig mit Kunden, was die Arbeit der anderen beiden stört. Die jetzige Situation schweisst zusammen, die Wege für Gespräche sind kürzer und der Austausch reger.»

Bauherrschaft: Rundum sehr glücklich

Die Bauherrin Ingeborg Wyss-Hurni beim Filmen ihres eigenen Bauprojekts.

Die Bauherrin Ingeborg Wyss-Hurni hat ihr eigenes Bauprojekt mit der Kamera genau verfolgt.

Für die Bauherrschaft war es eine stressfreie und entspannte, aber auch aufregende Zeit. «Wir waren erstaunt, was es alles brauchte und wir freuten uns jeden Tag, das Projekt wachsen zu sehen,» sagt Ingeborg Wyss-Hurni.

Sie haben die wöchentliche Information, welche Arbeiten anstehen, den detaillierten Zahlungsplan vor Projektstart und die periodischen Informationen zum Kontozwischenstand sehr geschätzt. Negativ war leider, dass es Probleme mit der Dachdichtigkeit gegeben hat. Doch der Projektleiter Patrik Stirnimann habe sich umgehend darum gekümmert und das Problem behoben. Er hat alle Arbeiten bestens koordiniert. Die Handwerker haben ihre Arbeiten termingerecht eingehalten und es gab keine Verzögerungen im Bauablauf. «Dank der offenen, regelmässigen Kommunikation gab es keine Überraschungen. Das haben unsere Mieter sehr geschätzt», summiert Ingeborg Wyss-Hurni.

Tipps für Bauherrschaften mit Mietern

Aus unseren Erfahrungen geben wir Ihnen nachfolgende Tipps. Mit diesen können Sie Umbauten, Renovationen oder Aufstockungen mit betroffenen Mietern zur Zufriedenheit aller realisieren.

Was Ihr Baupartner mitbringen und tun sollte:

  1. Suchen Sie sich Baupartner, die Erfahrungen mit Bauen im Bestand haben. Es ist anders, auf einer grünen Wiese zu bauen, als beispielsweise mitten in der Stadt bei engen Verhältnissen, viel Verkehr, Fussgängern und nahen Nachbarn. Es verlangt mehr Flexibilität, Wissen und Erfahrung. Dasselbe rät die Bauherrin: «Es lohnt sich, nur erfahrene Bauprofis zu engagieren.»
  2. Sie sollten einen Ansprechpartner beim Baupartner haben, der bei Problemen jederzeit telefonisch, per E-Mail oder physisch erreichbar ist.
  3. Der Baupartner sollte wöchentlich das Bauprogramm versenden. Darin sind die Arbeiten und die ausführenden Unternehmer aufgeführt. Sie und die Mieter wissen somit, wann z.B. lärmige Arbeiten ausgeführt werden.
  4. Der Baupartner sollte vorher simulierte Lärmtests vornehmen, damit die Auswirkungen eingeschätzt werden können.

Was Sie als Bauherren tun können

  1. Kommunizieren sie früh und transparent mit Ihren Mietern: Erklären Sie bei Projektbeginn den Ablauf, teilen Sie die Termine mit und zeigen Sie Auswirkungen auf. Geben Sie die Ansprechperson vom Baupartner für Fragen und Beschwerden an.
  2. Zeigen Sie den Mietern Vorteile auf – ein temporärer Umzug kann z.B.
    a) Auslöser sein, alles aufzuräumen und Ordnung zu schaffen - eine Voraussetzung für «Lean Management».
    b) den Horizont erweitern, wenn man an einem anderen Ort mit anderen Leuten zusammenarbeiten kann.
    c) ein Team zusammen schweissen.
  3. Vergessen Sie die Parkplatzsituation nicht und suchen Sie nach Lösungen – auch unkonventionelle.

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