27.09.2016
Simone Leicht
Leiterin Marketing/Kommunikation
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Nachhaltigkeit

Welche Lösungsansätze sehen Experten für eine nachhaltige Schweiz?

Im August 2016 wurde ein neues Energielabel lanciert. Das Netzwerk Nachhaltiges Bauen Schweiz stellte seinen neuen Standard SNBS 2.0 vor, der auf dem Label Minergie® basiert. Auch dieses, seit fast 20 Jahren bestehende Label, wird aktuell überarbeitet. Wir haben deshalb am 20. September 2016 fünf Experten zum Fachevent «Energie-Label Schweiz – Theorie und Praxis» nach Schötz geholt, um unseren Gästen die Neuerungen und die Potenziale für mehr Energieeffizienz im Schweizer Gebäudepark vorzustellen. Dabei haben wir sie gefragt, welche drei Lösungsansätze ihrer Meinung nach die Nachhaltigkeit in der Schweiz voranbringen können.

1. Elvira Bieri, Geschäftsführerin Schweiz Société Générale de Surveillance SGS

Elvira Bieri, Geschäftsführerin Schweiz Société Générale de Surveillance SGS

«Wir sind in der Schweiz und auf der Welt wirtschaftsgetrieben. Wenn man es bei den Kosten spürt, hat man die grösste Motivation, etwas zu verändern. Dieser finanzielle Aspekt ist sicher der wesentlichste. Der zweite ist, wenn das Gesetz greift und man etwas unternehmen muss. Dieser Ansatz ist der weniger sympathische, aber sicher der effektivste, vor allem, wenn der Vollzug funktioniert. Der dritte, und das ist meiner Meinung nach der sympathischste, ist, wenn man etwas von sich aus unternimmt, z.B. wenn sich eine Firma aus Reputationsgründen der Nachhaltigkeit verschreibt, weil es ihr ein echtes Anliegen ist und sie aus diesem intrinsischen Antrieb nachhaltig agiert.»

2. Franz Wüest, Kantonsrat Kanton Luzern

Franz Wüest, Kantonsrat Kanton Luzern

«Ich würde das Thema Nachhaltigkeit nicht nur der Politik überlassen, sondern gerade auch Unternehmern. Ein zweiter Punkt ist, dass wir das «Denkverbot» aufheben müssen. Leider geht es uns zu gut, der Druck ist zu wenig hoch und dadurch findet zu wenig Entwicklung statt.
Des Weiteren haben wir grenzenloses Potential in der Mobilität. Hier muss man aufpassen in Bezug auf die Raumplanung. Denn diese wird oft nicht zu Ende gedacht und nicht im grossen Zusammenhang geplant, wodurch sehr viel Energie verbraucht wird.»

3. Andreas Meyer Primavesi, Geschäftsführer Minergie Schweiz

Andreas Meyer Primavesi, Geschäftsführer Minergie Schweiz

«Zunächst müssen wir die bereits vorhandenen technischen Möglichkeiten, z.B. im Bauwesen und in der Mobilität, vollends ausschöpfen. Denn da ist massiv ungenutztes Potential vorhanden. Damit können wir noch lange liberal agieren und müssen nicht über Gesetze und Verbote eingreifen. Das zweite ist der Appell an die Eigenverantwortung der Bürger. Man kann sehr viel tun mit passender Information oder Anreizen, sich nachhaltig zu verhalten. Der dritte Punkt ist, dass wir nicht zu lokal denken. Ich meine, dass die grossen Herausforderungen globaler Natur sind. Denn im Unterschied zu Feinstaub können wir den Klimawandel nicht lokal lösen. Das sind zwar «einfache» Worte, aber es ist nicht einfach, global zu denken und zu handeln.»

4. Prof. Adrian Altenburger, Leiter Abteilung Gebäudetechnik HSLU, Vizepräsident SIA

Prof. Adrian Altenburger, Leiter Abteilung Gebäudetechnik HSLU, Vizepräsident SIA

«Als Lösung sehe ich im Bauwesen vor allem die Transformation des Bestandes. Das heisst der bestehende Gebäudepark in der Schweiz ist unsere Hauptaufgabe, nicht die Neubauten, und damit verbunden natürlich auch die Substitution der fossilen Energieträger. Besonders wichtig ist die Dezentralisierung, also lokale, Stromerzeugung mit erneuerbaren Energieträgern wie Solarenergie. Wobei der direkte Eigenverbrauch gesteigert werden muss und nicht nur eine Netzeinspeisung stattfinden darf. Hier muss die lokale oder regionale arealseitige Speicherung angegangen werden. Das dritte Element ist die Digitalisierung der Gebäude, vielleicht auch im Zusammenhang mit der Mobilität. Denkt man z.B. an selbstfahrende Fahrzeuge, dann kann man sich fragen, ob die klassischen Vorgaben mit Tiefgaragenstellplätzen in den Gebäuden in 10 bis 15 Jahren noch ein Thema sind.»

5. Max Renggli, CEO Renggli AG

Max Renggli, CEO Renggli AG

«Wir benötigen vor allem eine Konzentration auf eine strategische Ausrichtung, die national greift, und nicht möglichst viele, sondern sich ergänzende Labels, die von der Bauherrschaft einfach nachvollzogen und von den Planern umgesetzt werden können. Zweitens bin ich überzeugt, dass wir in der Schweiz über viel Know-how verfügen. Dies muss besser vernetzt in die Anwendung gebracht werden. Und drittens nimmt über Industrie 4.0 die Gesamtbetrachtung der Gebäude künftig eine wichtige Rolle ein. Es geht damit nicht einfach mehr um das Erstellen von Gebäuden, sondern vor allem um deren Unterhalt und die Wirtschaftlichkeit während der Betriebszeit. Hier sehe ich grosses Potential für mehr Nachhaltigkeit.»

Was sind Ihrer Meinung nach die drei wichtigsten drei Lösungsansätze, welche die Schweiz beim Thema Nachhaltigkeit voranbringen?

13.09.2016
Verena Egli
Leiterin Grossprojekte
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Brandschutz

Ein Treppenhaus aus Holz

Momentan leite ich eine Baustelle, die es so ohne die neuen Brandschutzvorschriften von 2015 nicht geben würde: Wir realisieren für ein Mehrfamilienhaus ein Treppenhaus aus Holz. Was darf der Bauherr davon erwarten?

Sicht vom obersten Treppenabsatz Richtung Liftschacht links mit sichtbarem Holz und dem Treppenhaus rechts, bereits mit Gipsfaserplatten beplankt. Beides ist in Holz erstellt.

Der Liftschacht (links auf dem Foto mit sichtbarem Holz) ist ebenso wie das angrenzende Treppenhaus (in grau wegen der bereits angebrachten Gipsfaserplatten) in Holz erstellt worden. Der Treppenlauf besteht aus vorgefertigten Betonelementen.

Treppenhäuser in Holzbauweise durften früher nur bis zu drei Geschossen gebaut werden. Mit den neuen Brandschutzvorschriften von 2015 dürfen Gebäude jedoch bis zur Hochhausgrenze mit Treppenhäusern aus Holz realisiert werden. Das erlaubt eine Gebäudehöhe bis zu 30 Metern und entspricht ca. 9-10 Geschossen. Um ein Treppenhaus aus Holz mit mehr als drei Geschossen zu realisieren, muss die Treppen- und Podestkonstruktion die Bauteilanforderung «RF1» erfüllen. Dies bedeutet, dass eine Holztreppe rundum mit Gipsfaserplatten verkleidet sein muss. Alternativ kann die Treppenkonstruktion aus nicht brennbaren Materialien erstellt werden. Der Bodenbelag auf der Treppenkonstruktion darf wiederum z.B. ein schönes Eichenparkett sein.

Blick zwischen Liftschacht in Holz zum Treppenlauf mit Schall- und Brandschutzabstand

Blick in das Treppenhaus im Holzsystembau mit Liftschacht aus Holz und Treppenelementen in Beton.

Anschluss von Liftschacht in Holz zum Treppenlauf mit Schall- und Brandschutzabstand

Liftschacht aus Holz von der dem Treppenhaus abgewandten Seite

Der Liftschacht, bevor wir ihn mit Fermacell «eingekleidet» haben.

Mit Fermacell verkleideter Liftschacht aus Holz (links) von vorne mit Sicherheitsvorrichtung als Schutz vor Stürzen. Rechts: Das Treppenhaus in Holzsystembau mit grauen Gipsfaserplatten beplankt und dem Treppenlauf aus Betonelementen.

Das Treppenhaus haben wir mit vorgefertigten Holzsystembauelementen realisiert. Bereits im Werk haben wir die Gipsfaserplatten angebracht. Im Bild ist ebenfalls der mit Fermacellplatten beplankte Liftschacht aus Holz sichtbar.

Welche Vorteile bietet ein Treppenhaus aus Holz?

  • Wir können alles gleichzeitig montieren und werden nicht durch die Erstellung des Treppenhauses blockiert. Bei diesem Bau, bei dem neben dem Treppenhaus auch der Liftschacht in Holz erstellt wurde, gehen wir von einer Zeitersparnis für den gesamten Bau von ca. 5 Wochen aus.
  • Wir können die Wärmebrücken bei den Aussenwänden mit einem Treppenhaus aus Holz besser und einfacher reduzieren.
  • Die luftdichtigkeitsrelevanten Anschlüsse wie bei der restlichen Gebäudehülle sind perfekt gelöst.
  • Der gesamte Hochbau kommt von einem Lieferanten. Der Bauherr oder Kunde hat nur einen Ansprechpartner.
  • Das zusätzliche Baugerüst zur Erstellung des Treppenkerns mit Liftschacht wird nicht benötigt.
  • Mit Holz können wir exakter arbeiten: Wir haben eine Toleranz im Millimeterbereich. Damit ist es z.B. einfacher, die Fenster, Türen und Treppenausstritte genau zu positionieren. Auch die Decken- und Wandelemente in Holzsystembau können wir so einfacher setzen, da die aufzunehmenden Toleranzen in den Anschlüssen viel geringer sind.

Liftschacht aus Holz

In einem vorhergehenden Beitrag habe ich einen Blick auf den Liftschacht in Holz geworfen:

Link-Icon Ein Liftschacht aus Holz

23.08.2016
Verena Egli
Leiterin Grossprojekte
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Brandschutz

Ein Liftschacht aus Holz

Wer denkt, auf den Baustellen gehe es immer nur rauh zu und her, irrt: Ich erlebe immer wieder freudige und staunende Reaktionen von Kunden und Partnern. Momentan leite ich eine Baustelle, die es in sich hat – die neuen Brandschutzvorschriften, gültig seit anfangs 2015, lassen grüssen.

Jahrelang durften wir es nicht oder nur mit einer Ausnahmebewilligung machen. Technisch war es schon lange möglich. Seit dem 1. Januar 2015 ist jedoch es offiziell erlaubt: Dank der neuen Brandschutzvorschriften dürfen wir den Liftschacht aus Holz realisieren. Und das führt bei einigen Besuchern auf einer meiner aktuellen Baustellen zu grossem Staunen.

Unverkleideter Liftschacht aus Holz in der Bauphase, seitlich fotografiert.

Das bestaunte Objekt: Ein Liftschacht aus Holz.

Neue Normen ermöglichen Liftschächte aus Holz

Mit den neuen Brandschutzvorschriften dürfen Liftschächte aus brennbarem Material erstellt werden. Die Voraussetzung dafür ist, dass sie innen und im vorliegenden Fall auch aussen mit nicht brennbarem Material verkleidet sind. Es muss eine sogenannte «Brandschutzplatte 30-RF1» sein. 30 steht für die Anzahl Minuten Feuerwiderstand. RF (réaction au feu) ist die Klassifizierung des Brandverhaltens von Baustoffen. Es gibt vier Kategorien – 1 ist die höchste davon: Diese Materialien brennen nicht und entsprechen den Brandkennziffern 6.3 bzw. 6q.3. Wir werden dafür Fermacellplatten mit Klammern und Schrauben montieren und so den Liftschacht aus Holz innen und aussen verkleiden. Fugen werden wir mit einem brandschutztechnisch wirksamen Kitt schliessen.

Welche Vorteile bietet ein Liftschacht aus Holz?

  • Wir haben die drei Elemente für den Liftschacht in zwei Stunden montiert. Betonieren hätte mindestens nur für den Liftschacht zwei Wochen in Anspruch genommen – ohne Austrocknungszeit.
  • Die Elemente sind bereits in sich ausgesteift und lärmschutztechnisch mit einem Zwischenraum vom Rest des Gebäudes abgekoppelt. Später werden wir den Liftschacht treppenhausseitig schalltechnisch isolieren und mit Gipskartonplatten beplanken.
  • Die Montage ist einfacher, weil wir die Anschlüsse und Verankerungen mit Holz verbinden. Und der Lift steht von selbst - er ist lediglich oben mit der Dachkonstruktion verbunden.
  • Mit Holz können wir viel genauer arbeiten: Wir haben eine Toleranz im Millimeterbereich. Damit ist es z.B. einfacher, die Fenster, Türen und Treppenausstritte genau zu positionieren.

Diese Vorteile zusammen reduzieren gesamthaft die Kosten für den Liftschacht.

Unverkleideter Liftschacht aus Holz in der Bauphase, von vorne fotografiert.

Gut sichtbar ist hier der Anschluss der Boden-/Deckenplatten im Holzsystembau

Links: Mit Gipsfaserplatten verkleideter Liftschacht aus Holz von vorne mit Sicherheits-Absturzsicherung gem. SUVA-Vorschrift. Rechts: Das Treppenhaus in Holzsystembau mit grauen Gipsfaserplatten beplankt und dem Treppenlauf aus vorfabrizierten Betonelementen.

Den Liftschacht aus Holz haben wir mit nicht brennbaren Gipsfaserplatten beplankt. Damit erfüllt er die Brandschutzanforderung an das Bauteil RF1.

Unsere Holzbauingenieure finden diesen ersten Liftschacht in Holz für ein Renggli-Gebäude sehr spannend. Nicht alle Tage können sie Details komplett neu entwickeln. Und für uns alle ist es ein grosser Vertrauensbeweis unseres Kunden: Er vertraut uns, dass wir unsere Arbeit präzise und zu seiner vollsten Zufriedenheit erledigen.

Treppenhaus in Holz

In einem weiteren Beitrag werfe ich einen Blick auf das Treppenhaus in Holz. Das darf jetzt auch mit bis zu 30 Meter Höhe in Holz gebaut werden.

Link-Icon Treppenhaus in Holz